CoreCheck Podcast

Darm & Mikrobiom: Wie viel Wahrheit steckt im Hype?

CoreCheck Podcast Season 2 Episode 2

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Was, wenn dein 200-Euro-Mikrobiom-Test eigentlich nichts wert ist, weil dein Darm sich täglich verändert?
Und was hat dein Bauchgefühl wirklich mit deinen Bakterien zu tun?

[Werbung in eigener Sache] Christian Burghardt ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Gründer von Mitocare.

🎙️ Mehr zu CoreCheck: https://www.corecheck.ch

In dieser Folge haben Rolf Duda und Christian Burghardt beide ihre Stuhlproben eingeschickt – und sortieren, was am Mikrobiom-Hype wirklich dran ist und was Marketing-Versprechen sind. Es geht um Stuhltests, Probiotika, die Brain-Gut-Achse – und um das, was du HEUTE selbst für deinen Darm tun kannst.

🎯 Das nimmst du mit:
🔬 Warum dein Mikrobiom-Test täglich anders aussieht (und wann ein Test trotzdem Sinn macht)
🔬 Wie oft du wirklich Stuhlgang haben solltest – und was Farbe, Konsistenz und Geruch verraten
🔬 Warum Stress deine guten Bakterien umschaltet (Bakterien-Epigenetik)
🔬 Wie der Darm Konzentrationsstörungen, Brain-Fog und sogar Stimmungs-Probleme mitsteuert
🔬 Wieso 50–100 g Ballaststoffe und 16:8-Fasten die wahren Hebel sind
🔬 Was verarbeitete Lebensmittel mit deinen Darm-Bakterien machen

🎬 Kapitel:
00:00 – Heute geht's um deine Scheiße
01:25 – Mythos: 80 % Immunsystem im Darm?
02:36 – Der Darm als zweites Gehirn
04:25 – Gute und schlechte Bakterien
05:52 – Wie dein Mikrobiom geboren wird
08:45 – Wie oft ist normaler Stuhlgang?
10:21 – Farbe, Konsistenz, Geruch – was sie verraten
14:37 – Wann ein Stuhltest wirklich Sinn macht
16:49 – Warum dein 200-Euro-Test fragwürdig ist
20:59 – Die häufigsten Darm-Probleme
23:00 – Brain-Gut-Achse: Wenn der Darm das Hirn entzündet
25:40 – Stress schaltet deine Bakterien um
26:54 – Was du HEUTE tun kannst
29:01 – Was deinen Darm kaputt macht
35:40 – Die 3 CoreChecks zum Mitnehmen

🎙️ Über die Gäste:
Christian Burghardt ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Gründer von Mitocare. Rolf Duda (alias Peakwolf) ist Experte für Neuroregulation und Longevity.

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⚠️ Dies ist ein Meinungs-Podcast. Die Inhalte stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinen Arztbesuch. Bei anhaltenden Darmbeschwerden bitte ärztlich abklären.

SPEAKER_01

Heute steigen wir hinab in die dunkle Tiefe, in das Organ, was nie lügt, deinen Darm. Willkommen bei Korchek und ja, heute geht's um deine Scheiße.

SPEAKER_00

Oder besser gesagt, wir sprechen heute über das Mikrobiom, über die Darmengesundheit und darüber, ob dein Stuhlgang mehr über dich weiß als du selber.

SPEAKER_01

Christian, wir haben beide unsere Scheiße eingeschickt und das Ganze wortwörtlich. Und heute wollen wir uns ja ein bisschen anschauen, was bringt das überhaupt? Was steckt alles hinter Mikrobiom, hinter Darmgesundheit und hinter diesem riesen Molloch, würde ich sagen, der Mode im Gesundheitssystem, wo es einfach um Darmsanierung, Darmkuchen, Saftkuchen, Fasten und und und geht.

SPEAKER_00

Ja, wir können uns, glaube ich, ziemlich einig sein, dass der Darm schon eine ganz zentrale Rolle in der Gesundheit spielt. Und dass es ganz wichtig ist, sich auch damit zu beschäftigen, denn das bedeutet ja im Endeffekt, dass dort entschieden wird, was wir aus dem Essen herausholen, was wir in unseren Körper hineinlassen, mit was unserem Körper arbeiten darf, an Mikro-, Makronährstoffen, aber auch welche Bakterien in unserem Darm vorhanden sind, spielen eine richtig große Rolle. Gute, schlechte Bakterien, die auf unsere Psyche einen Einfluss haben. Also Darm ist ja schon etwas ganz Essentielles, wenn man gesund sein möchte.

SPEAKER_01

Ja, das Ding ist ja, wenn man sich mal mit seiner Gesundheit beschäftigt, merkt man ganz schnell, dass im Prinzip nichts ohne den Darm geht. Wenn man den Darm nicht in den Griff kriegt, dann hat man gar nichts im Griff. Und es sitzen dann, glaube ich, auch 70 bis 80 Prozent von unserem ganzen Immunsystem allein im Darm.

SPEAKER_00

Auf jeden Fall wird das behauptet. Ich finde das immer eine schwierige Aussage, weil das impliziert so ein bisschen, ja, man hätte sich das Immunsystem sich jetzt genau angeschaut, wie viele Immunzellen sitzen wo, wie viel leisten die. Es ist auf jeden Fall so, dass im Darm extrem viele immunaktive Zellen sind und da ganz viel Immunaktivität von dort aus gesteuert wird. Aber wir haben natürlich auch die Mitochondrien, die zum Beispiel unser Immunsystem steuern, die haben wir in jeder Zelle. Das heißt, ich würde mich mit den Zahlen ein bisschen zurückhalten, ich würde sagen, wir haben im Darm einen wichtigen Teil des Immunsystems, der eine ganz große Rolle spielt. Und wenn das nicht funktioniert, dann klappt es mit dem Immunsystem nicht gut. Aber natürlich alle, viel vom Immunsystem wird auch über andere Organe gesteuert. Wir haben die Milze, wir haben Lymphknoten, wir haben den Thymus, also ganz viel Immunsteuerung und vor allen Dingen die Immunsteuerung aus unseren Zellen heraus, die Mitochondriere, die Zellkraftwerke, die auch unser Immun steuern. Also da gibt es noch viel, viel mehr.

SPEAKER_01

Da lasse ich mich doch gerne von dir belehren. Für mich ist es einfach spannend, der Darm ist ja auch unser enterisches System, allein wie viele Netzwerke und Nerven dort ja hängen. Man spricht ja auch oft vom zweiten Gehirn oder unserem Bauchgefühl. Und für mich wäre jetzt wichtig, wenn du uns mal ein bisschen mitnimmst in die Praxis, wie sieht es denn in unserem Darm so aus, generell? Was ist deine Erfahrung und was sind Parameter, wo man drauf achten müsste, was vielleicht heute noch zu wenig getan wird?

SPEAKER_00

Also wenn die Patienten zu mir kommen und ich mir die Anamneser anhöre und wir haben dann spezielle Fragen auch noch, die wir stellen, dann haben wir schon eigentlich einen deutlichen Hinweis darauf, dass eigentlich fast alle Patienten oder Menschen, wenn sie krank sind, auch ein Darmthema haben. Also in dem Moment, wo Krankheit kommt, ist oft mit der Geist die Psyche belastet. Dann geht es sofort auch auf das Darmsystem, weil ja auch Glücksgefühle, Glücksmomente oder Stressmomente über Neurotransmitter mit dem Darm zusammenhängen. Das heißt, ob ich mich freue, ob ich traurig bin, ob ich Stress habe, alles landet eigentlich im Darm. Deswegen ist der Darm im Endeffekt etwas, das ich immer untersuche. Oder zumindest mal adamnestisch untersuche, wenn ein Patienten zu mir kommt. Und sehr häufig gehe ich dann auch in die Tiefe. Das heißt, wir machen dann spezielle Tests. Und ja, manchmal muss man auch von hinten nachschauen.

SPEAKER_01

Da halte ich mich an der Stelle noch etwas zurück. Für mich ist es immer wieder spannend, über den ganzen Darm zu philosophieren, weil das Thema ein bisschen ein Tabuthema ist. Viele Leute scheuen sich noch darüber zu sprechen. Was sind denn Werte und Dinge, die man sich dort anschauen muss?

SPEAKER_00

Also ganz wichtig ist die Zusammensetzung der Flora, des Mikrobiom. Du hast gute Bakterien, du hast neutrale Bakterien, du hast Bakterien, die schlechterfüllig sind, weil Bakterien, und das ist ganz wichtig, wenn wir über den Darm nachdenken, was macht der denn eigentlich? Der Darm selber, der besteht natürlich aus diesem Schlauch, dieser Darm ist ja so eine Art Würstchenpelle, wie beim Wiener Würstchen, aber die eigentliche Kompetenz im Darm sind unsere Darmbakterien. Das ist nicht dieser Schlauch, sondern das sind die Lebewesen, die diesen Schlauch besiedeln. Und da gibt es ja Billionen von kleinen Bakterien, die in unserem Darm sind. Und das ist, ich sage es immer so, das wie die Bevölkerung auf dem Planeten. Wir haben acht Milliarden Menschen und wir haben Billionen von Bakterien. Und jedes dieser Bakterien ist ein Individuum, wenn du so möchtest, hat seinen eigenen Stoffwechsel und produziert gute Dinge oder auch schlechte Dinge für uns. Das heißt, je mehr gute Bakterien wir haben, desto mehr produziert der Darm auch gute Stoffwechselmetabolite für uns, die wir aufnehmen. Und je mehr Migranten in unserem Darm sind, die negativen Einfluss haben, desto mehr Probleme kriegen wir. Und je mehr Migranten wir bekommen, die vielleicht positiven Einfluss haben, desto weniger stört uns das. Das heißt, im Darm kann man also ein echtes Migrationsproblem haben. Man muss steuern, dass eben diese Migration, die diese Bakterien, die zu uns kommen, über Ernährung, über jedes Essen hat seine Bakterien. Wenn man irgendwie in andere Länder geht, kriegt man andere Bakterien, die dort vielleicht durch die Umwelteinflüsse besser zurechtkommen als bei uns, weil es wärmer ist zum Beispiel. Also diese Migration von Fremdbakterien in uns ist ganz wichtig, weil der Darm entwickelt sich jeden Tag anders. Aber es ist auch wichtig, was wir mit der Geburt kriegen, was uns sozusagen, wenn wir durch den Geburtskanal durchgepresst werden, dann nehmen wir ja automatisch den Schleim, den die Mutter unten in dieser Vagina hat, den nehmen wir ja automatisch mit unserem Mund auf schon und sorgen schon für die erste größere Besiedlung des Darms. Und da entscheidet sich schon, welches Mikrobiom wir bekommen. Also schon davon, da entscheidet sich, was passiert, ob ich die guten oder die Schlechten kriege. Wenn ich jetzt einen Kaiserschnitt habe, kann es passieren, dass ich Krankenhauskeime aufnehme und dann schon eine Fehlbesiedelung des Mikrobioms habe.

SPEAKER_01

Ja, das ist ganz spannend. Das habe ich auch noch gelernt, wenn man mit Kaiserschnitt auf die Welt kommt, nimmt man ja heute auch eben diesen Schleim, wie du sagst, und reibt das Kind nochmal ein, damit diese Bakterien eben trotzdem Teil von seiner Abwehr und seines eigenen Bioms werden können.

SPEAKER_00

Genau, das ist inzwischen ganz wichtig erkannt, die gute Darmflora der Mutter, also die Vaginalflora der Mutter in dem Fall, dem Kind geben. Aber da geht es ja auch schon los, hat jede Mutter eine gute Vaginalflora? Wenn ich jetzt, da denke ich mir jetzt, oh, wow, meine Mama, klasse, ja, super vaginar, aber im Endeffekt, wenn es falsch besiedelt ist. Daran möchte ich jetzt bei mir ehrlich denken. Wenn es falsch besiedelt ist, kann man auch da schon Probleme kriegen. Also vielleicht muss man dann manchmal auch schon einfach, vielleicht einfach in der Klinik schon hergehen und sagen, hey, wir haben ein gut zusammengesetztes Nahrungsergänzungsmittel konzentran mit guten Bakterien und tröpfeln schon mal von den wichtigsten Bakterien, dem Kind, dem Neugeborenen, dann zwei, drei Tropfen in den Mund, damit das halt wirklich gleich von Anfang an das richtige Mikrobiom bekommt.

SPEAKER_01

Okay, lass uns da nochmal ein paar Schritte zurückgehen, weil jetzt sind wir schon ganz tief drin. Was ich gemerkt habe, ist ja, dass die Leute, als ich mich angefangen habe, mal mit Anamnesen zu beschäftigen, habe ich gelernt, dass man Fragen sehr spezifisch stellen muss. Und am Anfang habe ich halt den Fehler gemacht und einfach gefragt, wie ist denn zum Beispiel die Verdauung, weil ich wissen wollte, kann ich dort vielleicht Rückschlüsse ziehen auf was anderes? Und die Leute haben dann immer gesagt, nee, die ist gut. So, und erst durch Details, was mir dann eben andere Therapeuten und Ärzte gesagt haben, musst du eben anders fragen, weil sonst kriegst du keine Details. Das ist ja sehr subjektiv. Also was ist denn gut für den? Und auf einmal kommt dann beim Fragen raus, ja, der presst sich einmal in der Woche ein Diamant raus und hat das Gefühl, das ist perfekte Verdauung. Die Leute wissen ganz oft nicht mehr, was perfekte Verdauung ist. Die wissen genauso beim Schlaf ja oft nicht, was guter Schlaf überhaupt noch bedeutet. Aber auf den Darm, was sind denn so die ersten Anzeichen, die bei mir darauf hindeuten könnten, dass etwas dort im Ungleichgewicht ist?

SPEAKER_00

Wie du gesagt hast, perfekt, wenn man so lange den Stuhlgang in sich hält, dass er so komprimiert wird, dass er diamantenähnliche Form bekommt, dann ist das Problem. Also eine richtige Verstopfung, also einmal in der Woche oder zweimal in der Woche oder selbst dreimal in der Woche, das ist einfach nicht gut. Genauso wenig ist es sinnvoll, zwei, drei, vier, fünf, sechsmal Stuhlgang jeden Tag zu haben. Also ein normaler Stuhlgang ist ein- bis zweimal am Tag, eventuell mal ausnahmsweise, wenn ich viel esse, auch dreimal. Es gibt ja Leute, die extrem viel essen, die haben dann auch öfter Stuhlgang. Grob kann man sagen, so oft wie du isst, ein, zwei oder dreimal isst, so häufig solltest du auch Stuhlgang haben. Und das ist jetzt zum Beispiel ein Symptom, auf das ich achte. Und dann natürlich auch die Zusammensetzung. Also idealerweise so wenig wie möglich abputzen. Es gibt ja Leute, die verbrauchen so eine Klorolle pro Tag, weil sie einfach. Das war ja bei Corona ein großes Problem. Genau, also bei Corona hat man wahrscheinlich auch durch den Virus bedingt sehr viel mehr Stuhlgang gehabt, ja. Weil Corona tatsächlich ja auch den Darm befallen kann. Und da hat man dann diesen extremen Verbrauch gehabt, dass es halt zeitweise ausverkauft war, das Toilettenpapier, jedenfalls bei uns. Und selbst im Großmarkt wohlgemerkt, ich habe im Metro versucht, da ein Papier zu bekommen, gab es auch nicht mehr.

SPEAKER_01

Ich muss einfach an so ein, das kam irgendwo bei Instagram, da hat einer. Das ist Sven, der ist jetzt 46 Jahre alt. Und heute hat er im Jahr 2000, was ich 58 die letzte Rolle Klopapier aufgebraucht, die seine Eltern damals zur Corona-Zeit gekauft haben.

SPEAKER_00

Ja, genau. Weil, wie gesagt, häufiger Stuhlgang und dann auch noch vielleicht wässrig oder schleimig oder schmierig. Das ist auch nicht normal. Das heißt, guter Stuhlgang, so oft wie ich esse, normale Portionen, so oft maximal sollte ich meinen Stuhlgang haben. Und dann sollte er auch zügig herauskommen und du solltest jetzt also nicht rot anlaufen, wenn du dir den Stuhlgang, wenn du dich entleerst.

SPEAKER_01

Ja, du, das ist ja auch spannend, wenn man da mal in so öffentlichen Toiletten ist, was da manche für Geräusche machen, aber ich glaube, das ist eine eigene Folge.

SPEAKER_00

Oblähungen, das ist gerade nochmal gut erwähnt, hatte ich gerade vergessen. Es gibt ja auch Erkrankungen, wo es besonders viel Gasbildung gibt. Also wenn deine Frau nachts aufwacht, dann ist sicherlich auch ein Problem mit deinen Stuhlgangsthemen. Dann solltest du, wenn du zu viel Gase einfach hast, solltest du auch mal gucken, ob da nicht eine Fehlbesiedlung im Darm möglich war.

SPEAKER_01

Macht keiner mehr auch. Das ist eine Scheißfolge, Chris.

SPEAKER_00

Ja, macht nichts.

SPEAKER_01

Also, ich halte, ich werde jetzt seriös, seriöses Gesicht. Ich halte jetzt mal fest. Also Stuhlgang sollte ein bis zweimal am Tag sein und von der Konsistenz her, wie kann man das so sehen?

SPEAKER_00

Es sollte so sein von der Konsistenz, dass du beim Abwischen nach dem Stuhlgang so relativ wenig Toiletten Toilettenpapier brauchst, bis sozusagen nichts mehr da ist zum Wegwischen.

SPEAKER_01

Okay. Auch da ist es wieder spannend, ich könnte ja nur abdriften. Ich habe mal mit einem Amerikaner geredet und der hatte so eine Studie mir dann erzählt, wie verschiedene Länder haben verschiedene Gewohnheiten, sich den Arsch abzuputzen. Der meint dann halt, in Indien machst du es halt mit der Hand. Die Amerikaner, die ziehen halt jede Menge Klopapier und machen sich so einen Ball, hier wir Deutschen, wir falten. Also das ist crazy, was es da alleine gibt. Beide Variante kannte ich auch noch nicht. Die finde ich auch ganz nett. Das ist crazy. Aber wenn du das eben einem Ami mal erzählst, sagen die alle, ja klar, wie soll man das denn sonst machen? Irgendwie hätte ich nie gedacht, dass es da so Unterschiede gibt. Aber die Konsistenz haben wir jetzt geklärt. Was gibt es denn sonst? Farbe, Geruch, wo kann ich darauf achten?

SPEAKER_00

Genau, selbstverständlich ist die Farbe noch ganz wichtig. Also ein weißer Stuhlgang zum Beispiel würde dir jetzt direkt mal zeigen, dass du Probleme mit deinen Geingängen hast. Ein schwarzer Stuhlgang würde dir zeigen, dass du vielleicht blutest, dass Blut im Stuhlgang mit drin ist. Er sollte schon so eine braun-beige Farbe haben, das wäre normal. Und wenn sie dann langfristig einfach Richtung Grün, Weiß, Schwarz oder Rot oder sonstige Farben tendiert, dann ist es sicherlich ein Problem. Das heißt, Farbe spielt eine wichtige Rolle, Konsistenz spielt eine wichtige Rolle, Geruch auch. Selbstverständlich, wenn du nach dem Toilettengang rausgehst und der nächste, der reingeht, in Ohnmacht gefällt, hast du auch ein Problem. Denn ein guter Stuhlgang riecht eigentlich wenig. Und einer, der sehr, sehr häufig übel riecht, der heißt dann auch, dass du Bakterien hast, die eventuell Geruchsstoffe bilden, die einfach nicht gesund sind, also von toxischen oder unerwünschten Bakterien in deinem Darm kommen.

SPEAKER_01

Okay, also kann man schon sagen, man kann anhand seines eigenen Stuhlgangs, wenn man den jetzt mal analysiert, schon gewisse Rückschlüsse ziehen, ob das ganze Darmmilieu in Ordnung ist oder nicht.

SPEAKER_00

Genau, das kann man definitiv sehen. Auch wieder, wie gesagt, schon wieder rauskommt, wenn er so eine Explosion ist und du hinterher einfach so drei Minuten brauchst mit dem Dingsbums da das Klo wieder sauber zu machen, mit der Bürste, dann ist es sicherlich nicht okay. Oder wenn auch die Scheiße oder der Stuhlgang sozusagen dann total am Klo klebt, überall, sehr klebrig ist, dann ist das auch nicht okay. Also man kann einfach sagen, je schneller, je einfacher, mit je weniger Pressen, wie kontrollierter der Stuhlgang erledigt wird, mit wenig Rückständen, mit wenig Geruch, so oft wie du was gegessen hast, maximal eine Mahlzeit, ein Stuhlgang, drei Mahlzeiten und drei Stuhlgänge. Wenn du das hinkriegst, mit wenig Abputzen am Ende, dann ist es ziemlich okay.

SPEAKER_01

Okay, und wenn ich jetzt eins dieser Dinge habe und jetzt glaube, ich habe eben ein Problem im Darm, dann kann ich ja immer noch meine Scheiße einschicken, so wie wir das auch gemacht haben. Und was kriege ich jetzt mehr an Informationen?

SPEAKER_00

Genau, das ist erstmal ganz wichtig. Dann gibt es verschiedene Diagnostikmöglichkeiten. Du kannst natürlich, wenn das lang anhalten ist, also erstens solltest du mal amamnestisch das durchgehen. Du solltest dir wirklich überlegen, was habe ich vorher gegessen? Du solltest erstmal eine Selbstrecherche machen, bevor du jetzt irgendwie zum Arzt gehst und was einschickst, was teuer ist. Einfach, was habe ich vorher gegessen? Dann komme ich vielleicht schon dahinter, dass es irgendwelche Lebensmittel sind, die ich nicht vertrage, möglicherweise. Wenn ich dann die Selbstanamnese gemacht habe, das ganze Mittel beobachtet habe, mir so mein Stuhlgangprofil angelegt habe, also mein Tagebuch zu meinem Stuhlgang und ich finde jetzt überhaupt nichts, was logisch ist, ich ändere ein paar Dinge und nichts verändert sich, dann kann ich mir überlegen, mal zum Arzt zu gehen, der macht dann ein üblich Blutbild, der schaut sich an, ob da irgendwelche Auffälligkeit zum Beispiel eine Schilddrüsenproblematik unter Überfunktion. Überfunktion kann natürlich dann Durchfall auslösen, eine Unterfunktion der Schilddrüse könnte Verstopfung auslösen. Das heißt, ich kläre mein normales Labor ab, dann mache ich vielleicht auch mal einen Ultraschall, um zu sehen, ob da irgendwie ein Problem ist, eine massive Gasbildung. Zum Beispiel kann ich einen Ultraschall sehen und vielleicht dann Veränderungen vornehmen. Dann kann ich erstmal mit Ernährungsumstellung arbeiten. Und wenn ich dann bei all diesen Optionen feststelle, es hilft einfach nichts, dann gehe ich vielleicht als nächsten Schritt her und mache entweder dann, wenn es wirklich schwierig ist mit dem Darm, eine Darmspiegelung, dass ich mal nachgucke, habe ich da ein Thema, das heißt, ich gehe wirklich zum Facharzt und lasse mir das untersuchen. Oder kann da auch untersuchen lassen, habe ich eine Histaminproblematik im Darm, habe ich eine Fruktoseunverträglichkeit, habe ich eine Lactoseunverträglichkeit, habe ich eine Zyldiakie, eine Glutenproblematik, etc., wo ich Atemgastests und andere Untersuche machen kann. Und dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit, tatsächlich, wie du schon angesprochen hast, richtige Stuhldiagnostik zu machen, wo ich mir mein Mikrobiom, meine Verdauungsrückstände, Entzündungsparameter und vieles mehr im Stuhl anschauen kann.

SPEAKER_01

Aber warum siehst du das so spät? Weil also mein Ansatz, ich hätte jetzt gedacht, die Unterhaltung entwickelt sich in Richtung, ich gucke mir meine Scheiße mal an, mache mir logischerweise Gedanken, kommt mir das normal vor oder habe ich das Gefühl, da stimmt was nicht. Und dann wäre für mich jetzt einfach der einfachste Weg, zu sagen, okay, wenn ich das Gefühl habe, es stimmt was nicht, schicke ich es mal ins Labor und gucke, ob ich da mehr Daten, Zahlen, Fakten kriege.

SPEAKER_00

Da ist so ein bisschen der Irrglaube, dass so eine Darmstuhlprobe konsistent dieselben Daten liefert. Weil das, was du sagst, ist, okay, ich habe ein Problem, ich gehe hin und mache den Stuhlgang, die Mikrobiomanalyse, kriege Daten und dann behandle ich das. Aber in der Realität ist es tatsächlich so, dass wenn du den Stuhlgang an verschiedenen Tagen machst, durchaus auch verschiedene Ergebnisse kriegst. Also es ist wahnsinnig komplex. Wir haben tausende von verschiedenen Bakterienarten, die ganz, ganz streng mit deiner Ernährung verbunden sind. Das heißt, wenn du dich drei Tage anders ernährst, hast du schon ein anderes Mikrobiom. Wenn du Stress hast, hast du schon ein anderes Mikrobiom. Das heißt, der Mikrobiom verändert sich tagtäglich in seiner Zusammensetzung. Im Kleinen, manchmal auch ein bisschen mehr, manchmal auch im Großen. Und deswegen ist diese Stuhlprobe nicht wirklich super aussagekräftig, weil sie so variationsvielfältig ist. Und das macht es dann einfach schwierig zu sagen, okay, ich mache eine Stuhlprobe für 200 Euro und kann mich darauf verlassen, dass die tatsächlich eine Aussage über eine Situation gibt, wenn die in drei Tagen schon wieder anders ist. Und deswegen bin ich eher so ein Freund, erstmal mit wenig Kosten, mit Anamnese zu arbeiten, mit normalem Blutbild zu arbeiten, mit Untersuchungen, Ultraschall, was weiß ich, zu arbeiten, bevor ich dann in diese Untersuchung gebe. Wobei es natürlich schon Blutwerte gibt, die jetzt wie IFAB zum Beispiel so eine Entzündungsmarke sehr verlässlich sind oder das Thema Zylakie ist auch sehr verlässlich. Likigat zum Beispiel ist auch sehr verlässlich. Da habe ich schon Parameter, mit denen ich arbeiten kann, was dann allerdings häufig auch eine Blutuntersuchung ist und nicht unbedingt eine Stuhluntersuchung. Also ich kann ja Blutuntersuchung machen, um zu schauen, ob ein Darm in Ordnung ist. Und ich kann einen Stuhluntersuch machen, um zu schauen, ob ein Darm in Ordnung ist. Aber ich sehe es nicht als ersten Punkt. Ich finde, das erste ist Eigenanamnese, Tagebuch machen, gucken, was passiert, wenn ich was esse, wenn ich Stress habe oder nicht Stress habe. Und dann, wenn das nicht funktioniert, dann gehe ich irgendwann mal zur Diagnostik über.

SPEAKER_01

Okay, also Stress sehe ich genauso, das ist sicher mal die Ursache von allem, was wir im Körper haben, weil das bringt halt im Prinzip ja alles in Ungleichgewicht. Was viele Leute auch nicht wissen, das liegt ja auch an deinen Stoffwechselwegen. Die werden ja anders angetriggert, wenn du Stress hast, als wenn du entspannt bist. Das heißt, auch das, was du reinwirfst an Supplements zum Beispiel oder an Nahrung, wird anders verstoffwechselt, für etwas anderes benutzt sozusagen, als wenn du das in einem entspannten Zustand tun würdest. Aber für die Leute, die das jetzt hören, also die Eigendiagnostik, klar, gehen wir mit, was wäre denn jetzt der nächste Schritt, wenn jemand sich tiefer mit dem Darm beschäftigen will und vielleicht das Gefühl hat, er braucht eine Darmkur, er braucht eine Reinigung, er hat Parasiten, whatever. Also wie soll ich jetzt strukturiert vorgehen?

SPEAKER_00

Dann würde ich tatsächlich Richtung Diagnostik gehen. Im Labor, dann würde ich mich mit der, also es gehört immer ein Standardlabor dazu, ein größeres Labor mit Leber, Schilddrüse, das ist Pflicht, ja, weil wie gesagt, schlicht und einfach eine Schilddrüsenproblematik, beeinflusst deinen Darm. Das heißt, einen Standardcheck musst du machen, aber dann auch speziell auf den Darm eingehen. Du kannst ja einen Laborparameter machen, wie Zonolin, wie IFAB, die eben speziell dir schon mal Rückschlüsse darauf geben, ob du eventuell ein Likigat hast, einen löchrigen Darm hast, ob du eine Entzündung im Darm hast, die Entrozyten, die Darmzellen, ob die entzündet sind. Das würde man als nächstes machen mit einem Mikrobiom-Test. Den gibt es in verschiedenen Varianten, von 50 Euro bis 250 Euro kann man alles haben. Wenn man dann die ganz große Variante hat, dann hat man Verdauungsrückstände, dann hat man Pilze im Darm, da hat man Parasiten im Darm, da hat man Giftstoff im Darm, was heute auch eine sehr coole neue Untersuchung ist, dass man wirklich die Metabolite der Darmbakterien messen kann, also was meine Darmbakterien produzieren, also die Toxine oder auch Nicht-Toxine des Darmes kann man messen. Denn das ist ja ganz wichtig. Wir müssen verstehen, dass wir die Nahrung, die wir zu uns nehmen, in erster Linie für unsere Darmbakterien zu uns nehmen. Also die Darmbakterien verdauen alles vor. Und dann entscheiden im Endeffekt unsere Darmbakterien, was wir bekommen. Weil viele denken, ja, ich esse das, was ich esse für mich selber, aber ich esse es eigentlich für meine Darmbakterien.

SPEAKER_01

Ja, stimmt. Das ist super wichtig, das so mitzunehmen. Was sind denn die häufigsten Probleme, die du jetzt als Arzt bei Menschen siehst?

SPEAKER_00

Ganz häufig, rein medizinisch gesehen, ist das Reizdarm-Syndrom. Also das häufigste eigentlich Durchfall. Die Leute haben dauernd Durchfall. Spritzt über rum. Und das ist ja ein Riesenthema beim Stuhlgang. Ich finde das Wort eigentlich auch schon richtig nett. Also manchmal gefällt mir die deutsche Sprache richtig gut, ja. Stuhlgang. Also du gehst zum Stuhl und machst dort den Stuhlgang. Und wenn der natürlich, wenn es dann spritzt und die Toilette überträgt, ist das halt lästig, ja. Du musst über den Stuhl putzen, ja. Das ist einfach nervige Angelegenheit. Und vor allem, du kannst es ja auch nicht kontrollieren unter Umständen. Es geht dann auch was in die Hose oder du sitzt irgendwo und rennst vom Podcast weg und musst aufs Klo akut. Das ist nichts, was die Leute wollen. Sie wollen regelmäßig kontrollierten Stuhlgang haben und nicht einfach irgendwann so ein Explosiv. Außerhalb dessen, was sie sich wünschen. Und ja, was war eigentlich die Frage?

SPEAKER_01

Ja, ich sehe, du verlierst dich hier in die Details. Die Frage ist wirklich, was sind die häufigsten Probleme?

SPEAKER_00

Also die häufigsten Probleme sind Reizdarm-Syndrom mit verbunden mit Schmerzen, mit Bauchschmerzen, dass es einfach wirklich auch wehtut. Mit Blähungen, die sind ganz, ganz häufig, übel riechenden Blähungen, aber auch Verstopfung kommt sehr, sehr häufig vor. Und im Endeffekt aber die Leute kommen dann, wenn es wehtut, wenn sie einfach Schmerzen haben. Das ist so das Kernthema, wenn es einfach der Bauch wehtut.

SPEAKER_01

Okay, das sind die Symptome, aber haben die eine gemeinsame Ursache?

SPEAKER_00

Die haben Ursachen. Also eine Ursache ist, wie gesagt, eine Fehlbesiedlung des Mikrobioms. Eine andere Ursache ist im Endeffekt, dass die Metabolite, die gebildet werden von den Darmbakterien, toxische Wirkungen haben, wie zum Beispiel Histamin, dass dann Gefäßerweiternd ist, dass Schwindel auslösen kann, dass Kopfschmerzen auslösen kann. Es gibt oder Neuroinflammationen, inzwischen des Gehirns auslösen kann, weil wir haben ja Brain Gut Access, wir haben die Verbindung von Darm mit dem Gehirn. Das heißt, vom Darm über das Nervensystem des Darms können direkt toxische Stoffe ins Gehirn transportiert werden. Das heißt, unser Darm kann direkt unser Gehirn entzünden. Das heißt, Konzentrationsstörungen, Brainfork, Angststörungen, Depressionen, all das kann vom Darm kommen. Und das ist, glaube ich, somit das Häufigste. Also gerade diese neurologischen Symptome oder die Symptome des Gehirns.

SPEAKER_01

Ja, aber nochmal zurück. Also für mich ist es wichtig, die Ursache ein bisschen zu verstehen. Weil es kann ja sein, lass Pommes weg und all die Probleme sind weg, weil das alles, was du beschreibst, ist ja was, was nachher hinten raus als Symptom sich bemerkbar macht. Aber gibt es was, wo man sagen kann, eine der Hauptursachen, zum Beispiel, ich denke da jetzt an Stress und sicher auch an die Ernährung, sorgen für 90 Prozent aller Probleme.

SPEAKER_00

Nee, es ist komplizierter. Es ist leider so viel komplizierter. Also fangen wir uns doch mal an, das ist die Zusammensetzung der Mikrobioms, ja, das ist ein Thema. Dann hast du als nächstes die Metabolite des Mikrobioms. Dann hast du als nächstes die Darmzellen. Das sind die Stoffe, die dann deine Darmbakterien produzieren, ja. Die produzieren einfach Stoffe wie zum Beispiel Vitamine, können die produzieren als gute Stoffe oder sie können auch schlechte Stoffe produzieren wie Histamin oder Toxine einfach, schlicht und einfach Giftstoffe, die wir nicht gebrauchen können. Dann hast du die Darmwand, die da ist.

SPEAKER_01

Ganz kurz, produzieren denn nur die guten oder nur die schlechten Bakterien, jetzt schlechte Metabolite. Das heißt, wenn ich die Dyspiose, also die Fehlbesiedlung im Griff habe, habe ich auch die Metaboliten im Griff oder sind das isolierte Ursachen?

SPEAKER_00

Nein, alle Bakterien haben ein Genom und auf diesem Genom sind verschiedene Metabolite, die gebildet werden können. Und jetzt wird es aber richtig kompliziert. Wir Menschen haben ja auch ein Genom, ja, und in unserem Genom sind gute und schlechte Stoffe integriert. Das heißt, die Kunst ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Gene richtig aktiviert werden, dass wir die Stoffe produzieren, die für uns heute im 20.2. Jahrhundert gesund sind. Und nicht irgendwas produzieren, was vielleicht vor 100.000 Jahren für unsere Menschen interessant war, für unsere Vorfahren interessant war. Und in Bakterien ist es genauso. Diese Bakterien produzieren auch Stoffe und die haben auch Gene und die können aber auch einfach in ihrem Genom switchen. Die können auf einmal anfangen, andere Stoffe zu produzieren. Also ein gutes Bakterium kann einfach durch eine Veränderung der Genetik andere Stoffe produzieren. Wie verändert sich denn die Genetik? Über zum Beispiel über Stress. Das heißt, verschiedene, die Genetik wird aktivieren.

SPEAKER_01

Also das, was wir in der Epigenetik für die Menschen jetzt sozusagen entdeckt haben, das gibt es auch in der Epigenetik für die Bakterien.

SPEAKER_00

Genau, auch die Bakterien haben eine Epigenetik und wenn jetzt ein Mensch dauernd Stress hat, dann können auch die guten Bakterien einfach umschalten, können andere Gene einschalten und andere Stoffe produzieren. Deswegen ist das so wahnsinnig kompliziert und deswegen ist es so schwierig, eben wie gesagt auch mit der Stuhlprobe das zu diagnostizieren. Weil sie das von Tag zu Tag, von Mahlzeit zu Mahlzeit, von Stimmung zu Stimmung jeden Moment ändern. Alleine hier, wenn wir sitzen und was trinken, verändern wir unser Mikrobiom, wir verändern die Epigenetik unserer Mikrobiom. Wenn du mich anlächelst, ist sie anders, als wenn du mich anfauchst. Also ganz einfach. Alles verändert jede Sekunde unser Mikrobiom und damit auch die Stoffe, die unsere Bakterien produzieren.

SPEAKER_01

Okay, und das ist jetzt für mich eine klassische Arztantwort. Also super komplex das Ganze. Für mich ist jetzt immer noch nicht klar erkenntlich, was kann ich jetzt tun. Ich habe gesehen, meine Scheiße ist nicht in Ordnung. Ich will was machen. Also was konkret soll ich jetzt als nächsten Schritt machen, ohne dass ich mich da in den ganzen Blutwerten verliere, in der Stuhlprobe?

SPEAKER_00

Als erstes das Mindset-Änder. Natürlich, du musst deinem Darm schon mitteilen, dass du möchtest, dass er funktioniert. Das heißt, du musst den Stress reduzieren. Stress für deinen Darm und sehr viel kommt ja schon mal von unserem eigenen Mindset. Also du möchtest einen guten Darm haben, das musst du eben auch mitteilen. Dann musst du deine Ernährung anpassen. Es gibt einfach ganz klare Ernährungstipps, die sinnvoll sind, wenn es um den Darm geht. Was ist denn gut für den Darm? Zum Beispiel ist für den Darm sehr gut eine basische Ernährung. Also eine Ernährung, die sehr, sehr viel Elektronen zur Verfügung stellt. Elektronen, man spricht ja beim pH von Potentia Hydrogenie, also von der Menge an Wasserstoffprotonen. Und das ist dann sozusagen pH 7 ist neutral, alles, was höher ist als 7, ist basisch. Basische Lebensmittel sind klassisch Gemüse, Rohkost. Und diese basischen Lebensmittel sind für den Darm deutlich besser. Vor allen Dingen dann noch, wenn wir ihm auch noch Ballaststoffe geben. Das heißt, wir müssen einfach bei der Ernährung auf basische Lebensmittel achten, auf Ballaststoffreich. Man sollte so grob zwischen 50 und 100 Gramm Ballaststoffe täglich zu sich nehmen, damit der Darm auch vernünftig arbeiten kann. Man sollte nicht zu große Portionen essen, nicht zu kleine Portionen essen, man muss dem Darm Ruhezeiten geben, also idealerweise auch intermediäres Fasten einhalten, 16 zu 8, 8 Stunden am Tag maximal essen, 16 Stunden auch Ruhefasen. Weil so ein Darm, das ist ja im Endeffekt, das sind Lebewesen, das sind Bakterien. Die wollen auch mal nicht arbeiten, die wollen sich auch mal regenerieren, was auch viele falsch machen. Ja, die wollen auch mal, nee, die wollen mal schlafen gehen. Und da muss man den Regenerationszeiten geben. Also das sind so die Dinge, die ich mal als erstes machen würde. Basische Ernährung, wenn es mir schlecht geht, mehr Regenerationszeiten für den Darm, für die Darmregeneration einhalten, für allen ganz viel Ballaststoffe essen. Unverarbeitete Lebensmittel zu mir nehmen, ist ein ganz wichtiger Tipp, weil je mehr prozessiert ist, je mehr Farbstoffe, Chemikalien drin sind, desto toxischer ist es auch für Darmpaktieren, die wollen auch nicht vergiftet werden. Darmpflege betreiben, ganz, ganz wichtig.

SPEAKER_01

Okay, das kann ich gut mitgehen. Das macht für mich auch total Sinn. Was macht denn mein Darm kaputt? Also was sind die Lebensmittel, die mir am meisten schaden?

SPEAKER_00

Am meisten schaden dir Lebensmittel, die Stoffe enthalten, die nicht physiologisch sind, ja. Also wenn wir uns Lebensmittel uns anschauen und ich sehe dann ganz viele Nummern drauf, die mit E anfangen, dann weiß ich, dass ich Zusatzstoffe haben. Die sind zwar jetzt nicht alle schlecht, aber es macht ja immer, die Summe macht ja im Endeffekt das Problem, also die Menge macht ja das Gift oder sozusagen, sagt man ja auch immer. Und da muss man darauf achten, dass man so wenig verarbeitete Lebensmittel zu sich nimmt wie möglich, weil einfach da Stoffe drin sind, die in den verarbeiteten Lebensmitteln gebraucht werden, damit die lange haltbar gemacht werden, zum Beispiel Konservierungsstoffe. Und die sind per se nicht gut für unsere Darmflora. Und das ist mal der allererste Schritt. Also diese gesunden, unverarbeiteten, basischen, naturnahen Lebensmittel zu essen und nicht diese Giftstoffe mitzunehmen.

SPEAKER_01

Okay, Christian, wir sind jetzt ganz tief da reingegangen und das Thema ist für mich immer wie so ein Dschungel. Weil klar ist das super individuell und ich weiß, das Ganze ist komplex, aber lass uns mal versuchen, das ganz einfach zu machen. Also was sind denn Lebensmittel oder Ernährungsweisen, die meinem Darm tendenziell helfen, die gut sind?

SPEAKER_00

Ganz wichtige Frage, so natürlich wie möglich. Also keine Inhaltsstoffe. Genau, keine fremden Inhaltsstoffe, keine E-Nummern zum Beispiel, keine Pestizide, also nichts Toxisches. Unverarbeitete Lebensmittel, die von biologischer Landwirtschaft schaffen, viele Ballaststoffe essen, weil unser Darm braucht Ballaststoffe, keine ranzigen Fette essen. Unser Darm möchte nicht ranziges essen, also gesunde Öle zu sich nehmen. Das heißt, je natürlicher das ist, je sauberer es produziert ist, desto besser ist es für unseren Darm und dann vielfältig essen, nicht ständig dasselbe essen. Das heißt, ich brauche eigentlich grob zwei Drittel, wenn ich mich gesund ernähre, basische Ernährung für die Regeneration wichtiges Körper ist und ein Drittel brauche ich eher so ein bisschen saure Ernährung, weil die saure Ernährung, wie zum Beispiel Fleisch, es liefert Energie. Das heißt, man muss darauf achten, dass die Zusammensetzung stimmt. Aber sie sollte so natürlich wie möglich sein und so wenig wie möglich prozessiert.

SPEAKER_01

Okay, also ich glaube, das sind ja die gängigen Thesen, wenn man sich jetzt mit Gesundheit beschäftigt, dass man eben darauf achtet. Es ist aber gleichzeitig was, was bei ganz vielen Leuten ja noch nicht wirklich angekommen ist. Dann würde ich gerne mal das Ganze umdrehen und sagen, was sollte man denn auf keinen Fall essen? Das sind dann logischerweise eben alles mit E-Nummern, mit Chemie, mit Zusatzstoffen, mit Farbstoffen. Aber es gibt ja auch viele Sachen, wo viele Leute sich aus meiner Sicht kaum Gedanken zu machen. Also ich denke da jetzt an ranzige Fette, ich denke an Samenöl wie Sonnenblumenöl, auch gerade wenn es hoch erhitzt ist wie eine Friteuse. Ich denke an verbrannte Dinge, wo man sagt, ach, wird schon nicht so schlimm sein. Kannst du da mal aus deiner Erfahrung sagen, was macht das mit meinem Darm?

SPEAKER_00

Es geht im Endeffekt auch beim Darm um Physik. Es geht darum, dass wir, wenn wir auf die Welt kommen, eine grüne Banane sind. Das heißt, wir haben physikalisch gesprochen, wir sind nicht übersäuert und wir sind nicht oxidiert. Und das gilt auch für den Darm. Und unsere Darmbakterien wollen nicht oxidierte und eigentlich nicht übersäuernde Lebensmittel. Das heißt, wenn ich jetzt ein verbranntes Stück Fleisch esse, dann habe ich ein oxidiertes Stück Fleisch. Und da fehlen dem Fleisch schlicht und einfach Elektronen. Und das ist nicht gut. Und wenn ich jetzt immer nur Säure esse, dann übersäuert meinen Körper. Das ist für die auch nicht gut. Und deswegen muss man darauf achten, dass man, wenn man isst, eben dieses physikalische Verständnis hat. Wir wollen nicht oxidiert sein, wir wollen nicht übersäuern, weil wir dann altern und dass unserem Darm nicht gut geht und wir auch aus diesen Lebensmitteln im Endeffekt nicht die Stoffe rausholen, die wir brauchen, damit der gesund bleibt.

SPEAKER_01

Ja, ich sehe, so einfach wie ich das gerne hätte, kriegt man das also nicht hin. Und ich denke, wir sollten da noch ein paar mehr Folgen zum Darm machen. Vielleicht können wir auch mal sowas wie eine Darm-Challenge machen, denke ich gerade, wo man wirklich die Laborwerte, die wir jetzt genommen haben, mal vorstellt, wo wir sagen, was haben wir dann getan? Wie haben wir uns ernährt, wie haben wir uns bewegt, wie haben wir supplementiert vielleicht, um das Ganze wieder ins Lot zu bekommen, um da ein bisschen mehr Klarheit zu schaffen.

SPEAKER_00

Genau, das Problem der Darm ist einfach hochkomplex und wir können diese Komplexität leider nicht in eine Folge pressen, weil es gibt so viele spannende Dinge im Darm. Es gibt zum Beispiel Biofilme im Darm, ja. Das sind so Würstchenpellen, die einfach im Darm drinnen liegen und die Durchlässigkeit des Darmes deutlich verschlechtern, weil dieser Biofilm im Endeffekt diese ganzen Stoffwechsel blockiert. Es gibt also so viele spannende Dinge im Darm noch zu entdecken, die leider mit einer Folge nicht machbar sind.

SPEAKER_01

Ja, mich zieht das Ganze jetzt allerdings ein bisschen runter. Darum erzählen uns doch mal was Lustiges aus der Praxis, was mit dem Darm zu tun hat.

SPEAKER_00

Ein Schwank aus der Praxis, ja. Wir haben das Pech ab und zu, dass wenn wir den Leuten so eine Tüte mitgeben, wo die einfach eine Stuhluntersuchung abgeben soll, dass die das aus Versehen nicht ins Labor schicken, sondern immer mit freundlichen Grüßen, an unser Praxispersonal mit dem Hinweis, das doch umzufüllen und dann und dann in das richtige Röhrchen zu tun. Und das ist manchmal richtig lustig, weil manche neue Arzthelferin, die das dann einfach zum ersten Mal bekommt oder das eigentlich nicht weiß, die macht dann das tatsächlich auf. Und da ist es tatsächlich einmal passiert, dass uns so ein Kläschen, so ein Marmeladenkläschen, dann beim Öffnen explodiert ist, weil da natürlich auch Gase entstehen und das war für die Mitarbeiter so relativ, ja sag ich mal, eklig. Deswegen den Stuhlgang bitte immer ins Labor schicken.

SPEAKER_01

Ja, ich frage mich sowieso, wie das manche machen, wenn man da mal diese Bilder von den Laboren anguckt. Da werden ja wirklich Einmachgläser eingeschickt und ich sehe die Leute da wahrscheinlich noch mit dem Löffel, der danach in die Spülmaschine muss, das da rein spacht.

SPEAKER_00

Ich persönlich hatte da auch schon mehrmals das Vergnügen, dass mir Leute tatsächlich auch ihren Stuhlgang in diese Alufolie mitgebracht haben und mir dann den auf den Tisch gelegt haben und gesagt haben, da gucken Sie mal, das ist mein Stuhlgang jetzt, der ist irgendwie nicht gut, schauen Sie sich das doch mal bitte an.

SPEAKER_01

Na gut, ich glaube, wir machen hier mal wieder einen kleinen Cut und freuen uns einfach auf weitere Folgen, wo wir so tief abtauchen können. Was wären denn jetzt die drei Weisheiten, die wir hier mitnehmen können für die heutige Folge?

SPEAKER_00

Also der Core-Check Nummer eins ist tatsächlich zu sagen, der Darm ist wahnsinnig wichtig und wenn man keinen normalen Stuhlgang hat, dann sollte man nicht allzu lange warten und sich tiefer mit diesem Darm beschäftigen, also sich untersuchen lassen, funktionelle Medizin zu Rate holen, damit man da weiterkommt.

SPEAKER_01

Mein Core-Check Nummer zwei heute ist mal wieder der Stress, weil ich glaube, einfach nichts macht uns mehr kaputt als Stress. Und Stress schlägt sofort auf den Darm, verändert eben die Darmflora, verändert die Darmbewegung. Und hier nochmal das Bewusstsein mitzunehmen, wie stark diese Korrelation, also Stress und Gesundheit, einfach zusammenhängen, auch was den Darm angeht.

SPEAKER_00

Corecheck Nummer drei, eine einfache Darmspiegelung, um herauszufinden, ob der Darm gesund ist, wie das häufig gemacht wird, reicht leider nicht aus. Wenn man Darmprobleme hat, braucht man definitiv tiefergreifende Spezialdiagnostik.

SPEAKER_01

Christian, ich danke dir vielmals und ich danke auch allen Zuhörern und Zuschauern, die sich mit uns in diese Untiefen gewagt haben. Für uns ist nach wie vor super interessant, was eure eigene Erfahrung ist mit der Scheiße in dem Fall. Schreibt uns das mal in die Kommentare und gebt uns auch mal ein paar Fragen, damit wir uns langsam dran tasten können, was für euch wirklich von Bedeutung ist.

SPEAKER_00

Lieber Rolf, ich danke dir, dass wir uns gemeinsam mit diesem Thema Stuhl genähert haben und freue mich auf die nächsten Folgen. Und die nächste Darm-Challenge.